Meilen & Erlebnisse 2021

Mit Windgejammer in die neue Segelsaison:

Viele von uns waren in der einschränkenden Coronazeit froh und glücklich endlich wieder Zeit auf dem Boot verbringen zu können. Manche mit viel Entspannung im Hafen, andere mit Gemeinschaft und Strecke auf See, in jedem Fall mit Freude und dem besonderen Feeling zu Wind und Freiheit.
Dabei reicht das Spektrum der angesteuerten Häfen von … wertgeschätzt, über endlich mal wieder, gemeinschaftlich … bis hin zu … aufregend neu.

Unsere Super-Gesellschafts-Spaßsegelyacht ist die Vineta mit Heimke und Thomas, die ihre Freude am Segeln in der Gemeinschaft mit anderen so häufig ausgekostet haben, dass sie dafür insgesamt über 750 Flottillenmeilen errechnen konnten (inkl. internem Multiplikationsfaktor). Weitere Flottillen-Spaßyachten waren außerdem die Pepper und Linnea mit je knapp 500 zu verzeichneten Seemeilen sowie die Taff und Kalema.

Schon startend im April, hat es die White Svaan zum schönen Fjällbacka an der schwedischen Westküste verschlagen, während die Hoppetosse sowie Pepper, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten, geradewegs in weniger als 24 Stunden nach Bornholm gesegelt sind. Einen besinnlichen Urlaubstörn rund Usedom haben Jens und Regina mit ihrer Taff beschrieben. Familie Lodde war mit der Kalema auf Samsø und die Vineta hat die Gewässer der Hanöbucht unsicher gemacht. Susanne und Christof sind mit ihrer Linnea NON-STOP in 50 Stunden nach Kristiansand in Norwegen gesegelt und dann noch weiter bis Flori. Insgesamt haben die beiden in dieser Saison knapp 2.000 Seemeilen bewältigt. Unterdessen hatten Mechtild und Franz-Joseph mit ihrer Indepentia knapp drei Sommermonate Segelzeit, sind gut 1.800 Seemeilen gefahren und haben als entferntesten Hafen im Bottnischen Meerbusen die Stadt Vaasa in Finnland angesteuert.

So verwundet es nicht, dass (zusammengerechnet) insgesamt über 8.000 Seemeilen der gemeldeten Segelyachten gefahren wurden und es großartige, berichtenswerte Erlebnisse bzw. Geschichten zu erzählen gibt:

Erlebnisreise Bornholm:

Lothar Mayring von der SY Hoppetosse

Die durchgehende Rückreise bei gutem Wind und einer wunderschönen Nacht, aber auch eine Tour mit drei Tiefpunkten:
1.)  Beim Anlegemanöver am 27.06.2021 in Nørrekås/Bornholm springt mein Mitsegler so unglücklich von Bord das er sich beide Fersenbeine bricht und ohnmächtig auf dem Schwimmsteg liegenbleibt. Sofort mit Rettungswagen in das Krankenhaus von Roenne wo Diagnose und Erstversorgung stattfindet. Danach muß er dort 3 Tage bleiben (wg. Bettenmangel auf der Entbindungsstation) bis der Rücktransport nach Berlin stattfindet.

2.) Die 4-tägige Wartezeit bis Anreise eines Segelfreundes per Flugzeug verbringe ich mit Organisation der Rückreisen, Krankenhausbesuchen, Stadtbummeln und Bootspflege.  Beim letzteren fällt mir das Handy ins Wasser und ist unbrauchbar.

3.)  Auf der Rückreise nach Burgtiefe sichten wir einen  auf- und abtreibenden Gegenstand. Bei Annäherung wird  eine immer deutlichere Hautfarbe des Gegenstandes erkennbar. Schock: womöglich eine Wasserleiche? Zum Glück aber nein, sondern ein … wie auch immer,  ertrunkenes, aufgedunsener Kadaver eines Schweines.

Nach 31 Stunden erreichen wir Burgtiefe und werden dort von den Stegnachbarn mit den freundlichen – aber nicht böse gemeinten – Worten empfangen:  “ Ihr müfft leise.“

Schwimmheld der besonderen Art:

Oliver Frank von der SY Pepper

Gleich beim Urlaubsstart hatten wir, Samuel, Matthias und ich, ein wunderbares Erlebnis:
Der fast achterliche Wind auf unserem direkten Weg nach Bornholm war perfekt für die volle Besegelung, die Geschwindigkeit bei herrlichem Sonnenschein berauschend, als plötzlich neben unserer Pepper ein Schweinswal auftauchte, um mit uns einen Wettbewerb auszufechten. Am Ende des Fehmarnsundwegs hat uns der kleine Schwimmheld spielerisch begleitet und es schien sogar, als suche er Kontakt: Der flinke Meeresakrobat konnte viel schneller sein als wir, schwamm über die Bukhöhe hinaus, lies sich langsam zurückfallen, nahm wieder Speed auf um erneut an unserer Schiffslänge vorbeizupreschen. Dabei geschah das Spektakel wechselweise an der Steuer- sowie Backbordseite, nach ca. 10 Minuten hat uns das Schweinswalglück dann wieder verlassen.

Hoch in den Norden:

Christof Sönchen von der SY Linnea

Tollstes Erlebnis: Die Fahrt durch den Lysefjord in Norwegen und die Kvitsoy-Inseln.

Wochenendsegeln nach Bagenkop:

Thomas Körner von der SY Vineta

5./6. Juni: Am Nachmittag / Abend gemütliches Grillen und im Anschluss gemeinsames Singen zur Gitarre im Wechsel mit einer dänsichen Gruppe am Nachbartisch. Ein wunderbar gemütlicher Abend im Kreise von Seglern.

Augen auf und Finderglück:

Carola Nordmeyer-Frank von der SY Pepper

Schöne Steine, Muscheln, durch Meereswasser geschliffene Scherben und Millionen Jahre alte Versteinerungen, dafür hatte ich schon immer ein Faible. Wenn wir mit unserer Pepper unterwegs sind, gibt es sicher keinen Strandspaziergang ohne das dabei meine Augen aufmerksam nach schönen Fundstücken Ausschau halten. Hühnergötter habe ich schon sehr viele gefunden, zu Hause fädle ich dann die Lochsteine zu einer Kette auf und hänge diese in unsere Kastanie als schöne Urlaubserinnerung. Im Laufe der Zeit habe ich neben versteinerten Seeigeln und Donnerkeilen sogar zwei Klappersteine gefunden.
Dieses Jahr hatte ich auf Bornholm am Strand bei Nexø besonderes Finderglück: Ein Stück versteinerte Baumrinde.

Ahoi Samsø:

Matti Lodde von der SY Kalema

Seit vielen Jahren nun, drängt es meine Holde nach Samsø. Jeden Sommertörn meldeten sich unsere Freunde und wollten wissen, ob es denn in diesem Jahr mit einem Besuch auf Samsö klappt. Meistens ergab der ratlose Blick auf die Karte – zu weit oder Wind aus der falschen Richtung. Doch diesmal war alles anders. Mit dem Blick immer gen Norden – vielen noch unbekannten Häfen vor dem Bugkorb war es nach 8 Tagen geschafft. Ich weiss – da segeln einige andere in der ersten Nacht vorbei, aber eben nicht wir.
Nachdem wir im gut gefüllten Hafen auch noch einen Platz ergattert hatten, ging es auf Entdeckungstour. Im Hafen überall Touristen und … jede Menge sehr gut gefüllter Restaurants. Essen gehen in Dänemark – zu Corona Zeiten? Geht das? Gemeinsam mit unseren Freunden gingen wir abends in ein tolles Restaurant. Das haben wir schon sehr lange nicht mehr gemacht. Das Essen war super lecker – leider sehr übersichtlich auf den riesigen Tellern arrangiert. Der Wein schmeckte uns gut und gegen den Hunger, gingen die Kinder auf dem Rückweg noch eine Portion Pommes holen. Ein toller Abend!

 

Törn in den heißen Norden der Ostsee:

Mechtild Bollinger von der SY Indepentia

Mein Mann Franz-Joseph und ich starteten am 6.06.2021 in Burgtiefe und der Wind stand gut bis Klintholm. Viele Seefahrer sind abergläubig, so auch ich. 4 Schweinswale begleiteten uns ein Stück des Weges, zwischen der Südspitze Falster und Klintholm. Ich wertete es als ein gutes Omen, gleich am ersten Segeltag diese Begegnung zu haben.

Die nächsten Häfen waren Kaseberga und die Insel Hanö. Wieder stand der Wind gut und Indepentia segelte bis Kalmar. Diese Entfernung Hanö – Kalmar war auch der längste Einzelschlag dieser Reise – stolze 75 sm. Weiter bis Byxlkrok auf Öland – Insel Idö – Oxelösund dort Treffen mit Berliner Seglerfreunden. Dann Nynäshamn – Stavsnäs – Gräddö – Grisslehamn – Öregrund – Gävle (2 Hafentage) – Hudiksvall – Mellanfjärden. Leider viele Nebelbänke die letzten 163 sm.

Am 25.06.2021 dem Vorabend zum diesjährigen Mittsommerevent lernten Franz-J. und ich ein schwed. Ehepaar (Anita und Anders) aus Västeräs kennen. Wir beschlossen die vor uns liegende Route, die Höga Kusten, zusammen zu erkunden.

Von Mellanfjärden segelten wir nach Södra Sundets Härnösand. Unter der „Golden Gate Bridge“ des Nordens durch. Dann Hornö Brygga Gasthamn – Höggvik – Ulvön. Ulvön ist die Heimat des Surströmming. Fermentierter Hering in Dosen. (Wir verzichteten darauf, für manche eine Delikatesse.)

Anschließend in die Bucht der Insel Mjältön. „Sveriges högsta Ö“. Zu Fuß über Stock und Stein zum Gipfel der Insel. Als am nächsten Morgen ein Rentier am Ufer stand, war für mich die Nordlandidylle perfekt. Vor lauter Staunen habe ich das Fotografieren vergessen. Weiter zu Insel Trysunda. Wieder mit ausgedehnter Wanderung über die Insel.

Am 02.07. ließen wir die Höga Kusten hinter uns. Nächstes Ziel – Umea. Es wurde warm, sehr warm, über 30 C. Franz-J. und ich beschlossen nicht weiter in den Norden zu fahren, kein Wind in Aussicht und für die letzten 150 sm bis Haparanda hatten wir keine Lust zum Motoren. So motorten wir nach 2 Hafentage in Umea, Richtung Osten nach Vaasa in Finnland. Das Meer hatte mittlerweile eine Temp. von 24 C. Nach einem ausgiebigen Stadtrundgang gings weiter in den Süden.

Kaskinen – Kasala – Repossari – die Leuchtturminsel Kylmäpihlaja westl. von Rauma bis Uusikaupunki. Und die Hitze hielt an.

Wir besuchten Freunde in Turku und danach segelten wir zur Insel Tingskär. Ein kleines Eiland im Privatbesitz unserer Freunde, fernab der Seglerroute in den südl. Schären von Turku. Da das Gebiet um die Insel sehr ruhig ist, mit nur wenigen Booten, konnten wir im vorbeisegeln einen Seehund beobachten, der sich auf einem Stein sonnte.

Danach verlief die Route durch die Alands bis Mariehamn, von dort nach Furusund in Schweden. Wir hatten noch genügend Zeit, deshalb entschlossen wir uns Stockholm noch einen Besuch abzustatten. Nach 5 Nächten Wasahamn weiter durch den Mälaren in den Södertäljekanal. Nach Skansholmen in eine von uns sehr beliebte Ankerbucht – Ringsön – gegen alle Winde bestens geschützt.

Snedskär im Arkösund. Ein sehr gemütlicher Abend im dortigen Clubheim mit einigen Mitgliedern. Als Gastgeschenk hängt jetzt die Yachtclub Burgtiefe Flagge an der Wand. Fyrudden – Idö – Sandvik auf Öland – Kalmar – Karlskrona – Hällevik – Skillinge – Gislövslage – Falsterbokanal Höllviken. Hier für die nächsten 7 Nächte Endstation, bis 44 kn Wind aus SW haben uns ausgebremst.

Noch einen Hafen als Zwischenstation bis Fehmarn. – Hesnäs – Die wildwachsenden Brombeeren in Hafennähe sind ein Aufenthalt im August in Hesnäs wert. Brombeeren und Crepes – eine kulin. Köstlichkeit – zubereitet vom Skipper.

Am 21.08.2021 zurück in Burgtiefe nach 1.823 sm. Schiff und Mannschaft wohlauf.

Tollste Erlebnisse:

Heiko Scholz von der SY White Svaan

> der Kontrast zwischen morgens DK und nachmittags SE war beeindruckend, ebenso die sehr vielen und nicht aufzählbaren Eindrücke auf der sechs wöchigen Segelreise.

> die Zeit allein mit unserem Hund Naila mit der Langsamkeit der Vorbereitung der Hafenmanöver und der Freude von uns Beiden über das gegenseitige Vertrauen, dass wir das schaffen.

Ruhiger, besinnlicher Urlaubstörn rund Usedom trotz Corona!

Jens Hickstein von der SY Taff

Frisch getestet nach Warnemünde, aber kein Hafenmeister will den Test sehen. Überall, auch in Polen wird nur der Mundschutz getragen.
Start Burg: Mit gemischten Corona Gefühlen und leichtem Wind in die Ankerbucht von Warnemünde. Langer Schlag nach Barhöfft bei leichtem Wind ESE.
Unruhige Ankernacht bei Wind gegen Strömung. Schnelle Fahrt bei zunehmendem Wind durch die Brücke bei Stralsund, den Strelasund und Greifswalder Bodden nach Peenemünde Nord. Toller neuer Hafen mit super Hafenmeister und Biertresen bei Empfang! Wolgast, Pierplatz mit schöner Aussicht, Gästewechsel. Zinnowitz mit langer Radtour. Karnin mit Bustour über Usedom. Altwarp mit Radtour nach Neuwarp. Swenemünde mit Badevergnügen und viele Mücken!! Peenemünde Nord mit Besichtigungstour und Strandtagen. Gustow teuer, aber mit Schwimmvergnügen. Barhöfft mit langer Radtour. Warnemünde Reede mit Technomusik vom Strand bis um 6 Uhr!!Rauschefahrt mit bis 9 kn nach Hause und bei Staberhuk gibt es einen Schluck für Neptun, Prost!

Resümé: Leere Häfen, nette Leute, gutes Wetter (trotz Unwetter in Südwestdeutschland).

Flying Dutchman Weltmeisterschaft:

Leif Hickstein von der SY Taff

Wir gratulieren Leif Hickstein ganz herzlich zum 10. Platz bei der Flying Dutchman Weltmeisterschaft im September in Altea / Spanien. Leif und sein Bruder sind schon als kleine Kinder mit ihrem Vater bzw. unserem Vereinsmitglied, Jens Hickstein, auf der Taff jahrein, jahraus gesegelt. Wie wunderbar, dass uns der Segelnachwuchs als Erwachsener mit dieser großartigen Leistung Ehre macht!

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